Mittwoch, 31. August 2011

Das Lied der Dunkelheit

Viel habe ich von diesem Epos gehört, auf dessen Rückseite der wohl beinahe unvermeidliche Vergleich mit dem Herrn der Ringe prangt. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Inhalt

Weit ist die Welt – und dunkel … und in der Dunkelheit lauert die Gefahr. Das muss der junge Arlen auf bittere Weise selbst erfahren. Schon seit Jahrhunderten haben Dämonen, die sich des Nachts aus den Schatten erheben, die Menschheit zurückgedrängt. Das einzige Mittel, mit dem die Menschen ihre Angriffe abwehren können, sind die magischen Runenzeichen. Arlen will nach Menschen suchen, die den Mut noch nicht aufgegeben und das Geheimnis um die alten Kriegsrunen noch nicht vergessen haben.

Die Inhaltsangabe habe ich gekürzt, denn sie nimmt mal wieder zu viel vorweg und ruiniert auf den ersten 100 Seiten die Spannung (besten Dank, Herr Lektor). Doch auch so, ist schnell klar, wohin die Reise geht und wenn man sich den englischen Titel ansieht, dann weiß man eigentlich auch von Beginn an schon, wie das letztendliche Ziel erreicht wird.

Das ist dann auch das große Problem dieses Romans, der sich in erster Linie um die Entwicklungsgeschichte der Helden Arlen, Leesha und Rojer dreht, die 2/3 der Seiten parallel nebeneinander herlaufen, um sich dann recht abrupt miteinander zu verweben. Diese Entwicklung schildert Brett sehr eindringlich und durchaus fesselnd, allerdings sind die Wege der drei allzu sehr vorgezeichnet und Überraschungen mehr als rar. Spannung kommt so gut wie nie auf. Die eigentliche Mission nimmt nur einen geringen Teil der ganzen Geschichte an, aber nicht nur deswegen hinkt der Vergleich mit dem Herrn der Ringe gewaltig.

Denn die Idee mit den Dämonen, die des Nachts aus dem Boden steigen und die Menschen terrorisieren ist zwar durchaus interessant, allerdings findet die Handlung in einer sehr überschaubaren Welt statt, deren Tiefe nicht einmal annähernd an die Komplexität eines Mittelerdes mit seinen Völkern und Kulturen heranreicht. Dazu kommen auch noch einige Logikprobleme, was die Wirkung der Siegel angeht.

Eher ließe sich das Werk mit dem (auch ähnlich aufgemachten) Der Name des Windes von Patrick Rothfuss vergleichen, aber auch hier zieht Brett den Kürzeren, denn sprachlich kann er Rothfuss nicht annähernd das Wasser reichen.

Persönliche Meinung (3 von 5 Sternen):
Die 800 Seiten kriegt man zwar recht flüssig durch, doch durch das Thema „die Genese eines Helden“ ist alles allzu vorgezeichnet. Jeder halbwegs erfahrene Leser ahnt bald voraus, wie die Charaktere sich entwickeln. Dennoch erreicht Brett durchaus eine emotionale Bindung mit den Hauptfiguren, vernachlässigt aber den überspannenden Handlungsbogen, dem es zudem an einem echten Bösewicht fehlt.
Sicher gibt es viele Leute, die solche Fantasy-Romane mögen (wie auch der Erfolg von Trudi Canavan zeigt), mich hat Brett allerdings nicht besonders angesprochen, dazu ist mir alles viel zu vorhersehbar und es fehlt einfach die Spannung.

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