Warum nicht mal wieder was
Historisches, dachte ich mir, als ich mal wieder am Grabbeltisch des
örtlichen Supermarkts vorbeikam und mich ein vielversprechendes
Cover mit zwei großen Segelschiffen anlachte. Ich hätte weitergehen
sollen.
Inhalt:
Amsterdam im Jahre 1649. Willem Lootsman, Hafeninspektor, wird mitten in der Nacht geweckt: Der Hafen ist ein einziges Flammenmeer. 'Die Sonne', das Schiff des gefürchteten Kapitäns Hendrik Pouwel, brennt lichterloh. Als Willem Lootsman mit dem Kapitän reden will, findet er ihn bestialisch ermordet. Ein merkwürdiger Brief und geheimnisvolle Souvenirs aus fernen Ländern bringen den Hafeninspektor auf eine ganz heiße Spur. Diese führt ihn nicht nur in das berüchtigte Amsterdamer Rotlichtviertel, sondern auch in die angesehensten Ratsherrenkreise der Stadt.
Die Handlung dieses historischen Krimis
ist noch ganz in Ordnung. Nach und nach kommt Willem bei seinen
Ermittlungen voran und die meiste Zeit kann man seinen
Schlussfolgerungen gut folgen. Die Epoche Amsterdams wird recht
glaubhaft dargestellt.
Das Problem ist viel mehr, wie das
Ganze präsentiert wird. Der Autor mag ja viel von der Geschichte
Amsterdams verstehen, als Belletristik-Autor ist er aber offenbar
blutiger Anfänger. Von Groschenroman-Niveau zu sprechen, wäre
jedenfalls selbst für die Autoren ebensolcher eine Beleidigung.
Die ganze Zeit verwendet der Autor nur
kurze, abgehackt wirkende Sätze, beschreibt umständlich und selten
genau, hält sich an unnötigen Details fest (ständig wird das
Wetter beschrieben) und selbst die wenigen Actionszenen sind derart
lahm formuliert, dass nicht ein Hauch von Spannung aufkommt. Dazu
sind die Dialoge hölzern und abgesehen von Willem und seinen
Gehilfen bleiben alle andere Charaktere blass und farblos.
Es ist mir ein Rätsel, wieso ein
deutscher Verlag sich überhaupt für dieses Werk interessierte, die
Übersetzung jedenfalls trägt nicht dazu bei, das Werk lesbarer zu
machen.
Persönliche Meinung (1 von 5 Sternen):
Wäre das Buch nicht so kurz gewesen,
ich hätte es niemals beendet. Inhaltlich bestenfalls
durchschnittlich ist es formal ein schriftstellerischer
Offenbarungseid – Finger weg.

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen