Sonntag, 6. November 2011

Das goldene Schiff


Warum nicht mal wieder was Historisches, dachte ich mir, als ich mal wieder am Grabbeltisch des örtlichen Supermarkts vorbeikam und mich ein vielversprechendes Cover mit zwei großen Segelschiffen anlachte. Ich hätte weitergehen sollen.

Inhalt:
Amsterdam im Jahre 1649. Willem Lootsman, Hafeninspektor, wird mitten in der Nacht geweckt: Der Hafen ist ein einziges Flammenmeer. 'Die Sonne', das Schiff des gefürchteten Kapitäns Hendrik Pouwel, brennt lichterloh. Als Willem Lootsman mit dem Kapitän reden will, findet er ihn bestialisch ermordet. Ein merkwürdiger Brief und geheimnisvolle Souvenirs aus fernen Ländern bringen den Hafeninspektor auf eine ganz heiße Spur. Diese führt ihn nicht nur in das berüchtigte Amsterdamer Rotlichtviertel, sondern auch in die angesehensten Ratsherrenkreise der Stadt.

Die Handlung dieses historischen Krimis ist noch ganz in Ordnung. Nach und nach kommt Willem bei seinen Ermittlungen voran und die meiste Zeit kann man seinen Schlussfolgerungen gut folgen. Die Epoche Amsterdams wird recht glaubhaft dargestellt.

Das Problem ist viel mehr, wie das Ganze präsentiert wird. Der Autor mag ja viel von der Geschichte Amsterdams verstehen, als Belletristik-Autor ist er aber offenbar blutiger Anfänger. Von Groschenroman-Niveau zu sprechen, wäre jedenfalls selbst für die Autoren ebensolcher eine Beleidigung.

Die ganze Zeit verwendet der Autor nur kurze, abgehackt wirkende Sätze, beschreibt umständlich und selten genau, hält sich an unnötigen Details fest (ständig wird das Wetter beschrieben) und selbst die wenigen Actionszenen sind derart lahm formuliert, dass nicht ein Hauch von Spannung aufkommt. Dazu sind die Dialoge hölzern und abgesehen von Willem und seinen Gehilfen bleiben alle andere Charaktere blass und farblos.

Es ist mir ein Rätsel, wieso ein deutscher Verlag sich überhaupt für dieses Werk interessierte, die Übersetzung jedenfalls trägt nicht dazu bei, das Werk lesbarer zu machen.

Persönliche Meinung (1 von 5 Sternen):
Wäre das Buch nicht so kurz gewesen, ich hätte es niemals beendet. Inhaltlich bestenfalls durchschnittlich ist es formal ein schriftstellerischer Offenbarungseid – Finger weg.

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