Samstag, 10. Dezember 2011

Wer dem Tode geweiht


Zu Elizabeth George kam ich über die Verfilmungen der BBC. Erst „Denn die Sünde ist Scharlachrot“ las ich dann – mangels Verfilmung -, gespannt, wie es nach dem Tod von Lynleys Frau nun weitergehen sollte, und war durchaus angetan. Und als nun „Wer dem Tode geweiht“ endlich mal in der Bücherei verfügbar war, griff ich auch hier zu.

Inhalt
Nach Wochen der Einsamkeit fernab von London kehrt Thomas Lynley in die City zurück. Als Isabelle Ardery, eine Kollegin aus vergangenen Tagen, ihn um Unterstützung bei einem komplizierten Mordfall bittet, zögert er nur kurz – und tut ihr den Gefallen.
Während Ardery im Laufe der Ermittlungen zusehends ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, besinnt Lynley sich seiner früheren Stärken. Und seiner genialen Ermittlungspartnerin Detective Sergeant Barbara Havers …

George geht bei dem 800-Seiten-Schinken nach ihrem bekannten Schema vor. Nicht nur aus den Augen des ungleichen Ermittlerpaars Lynley/Havers (die überdies kaum zusammen unterwegs sind) schildert sie die Geschichte, mehr als ein halbes Dutzend Perspektiven eröffnen dem Leser gleich diverse Sichtweisen auf das Geschehen. Dabei entspinnt die Autorin nicht nur wieder einen komplexen Krimi-Plot, sondern erschafft sehr glaubwürdige und unterschiedliche Charaktere, deren Vorgehen in der Geschichte sehr spannend zu verfolgen ist.

Der Plot selbst hingegen ist nicht so „rasend spannend“, wie es die Inhaltsangabe glauben machen will. Wer hier also einen Reißer erwartet, ist gänzlich falsch. Wie immer bei George stehen die Charaktere und ihre Verhältnisse untereinander im Vordergrund, die Ermittlungen gehen eher schleppend voran und erst zum Finale kommt wirklich Spannung auf.

Eine Besonderheit ist jedoch, wie George hier zwei Kriminalfälle miteinander verbindet. Immer wieder flechtet sie Absätze aus einem Bericht über ein anderes Verbrechen ein, das auf den ersten Blick mit den aktuellen Ermittlungen gar nichts zu tun zu haben scheint und erhöht somit geschickt das Interesse des Lesers.

Persönliche Meinung (4 von 5 Sternen):
George liefert wieder einen interessanten Fall, spannende Charaktere und spinnt die Geschichten ihrer Protagonisten weiter. Gerade Havers sorgt dann auch für einen Schuss Humor. Ob eingefleischte Fans die neue Superintendentin Ardery mögen werden, ist allerdings eine andere Frage. Mich hat jedenfalls ein wenig gestört, dass ihr so viel Platz eingeräumt wurde.
Trotzdem, wer Lynley-Romane bislang mochte, wird auch diesmal zufrieden sein, Neueinsteiger die hier Action und Thrill vermuten, sind aber gänzlich falsch.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen